Bericht aus Leipzig 2017

Foto: Swen Reichold

 

Das 2. Projektjahr von „Mensch-Komm mit!“ ist abgeschlossen. Inzwischen hat das Projekt sowohl bei Adressat*innen als auch im Hilfesystem der Stadt Leipzig, in Behörden und erfreulicherweise auch bei den Ordnungsbehörden einen Platz gefunden. Damit soll keineswegs einer Punitivität (Straflust), wie es immer häufiger bei Sozialarbeiter*innen anzutreffen sei, nach dem Wort geredet werden, sondern der Wunsch die Notwendigkeiten & Probleme am Bahnhof gemeinsam lösen zu wollen. Wie dies praktisch konkret umgesetzt werden kann, muss sich jedoch noch zeigen. Bisherige koordinierte Anwesenheitszeiten funktionieren jedenfalls tadellos.

Seit September besteht unser Team aus Doreen Emmerich, Christian Pahrmann & Tica. Durch die Bereicherung einer Frau im Team, die kein Hund ist, kommen immer öfter auch frauenspezifische Themen zur Sprache. Mädchen & Frauen kann endlich eine gleichgeschlechtliche Sozialarbeiterin vorgehalten & damit eine weitere Zugangsbarriere abgebaut werden.

Noch vor einem Jahr waren Tica & Christian allein im Streetwork unterwegs. Nicht nur, dass Hunde zwischenmenschliche Begegnungen ermöglichen, Hunde sind auch Gefährte & Begleiter vieler Menschen die auf der Straße leben.1 Insofern ist unser Pappillon – Shelti – Mix eines unserer wichtigsten Arbeitsmittel. Wir konnten gleichfalls rund 80 Schlafsäcke an Bedürftige verteilen. Diese Notwendigkeit bestand aufgrund von Zugangsschwierigkeiten vor allem zum Übernachtungshaus für Männer. Mit dem Bekanntheitsgrad und mit zunehmendem Vertrauen steigt auch die Bereitschaft Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich auf den steinigen Weg in feste Lebensbezüge zu begeben. Veränderungen benötigen Zeit, Vertrauen und sind mit Rückschlägen verbunden. Beziehungsarbeit bildet sich statistisch leider nicht ab, bleibt aber, auch das hat sich in den laufenden 2 Jahren gezeigt, die Basis unserer Arbeit.

Ein im Sinne unserer Klient*innen als überaus positiv zu bewertendes Netzwerk besteht mit dem Polizeirevier Mitte, der Bundespolizei und dem Stadtordnungsdienst des Ordnungsamtes für den gesamten Bahnhofsbereich. Neben der oben bereits erwähnten Übereinkunft sind wir auch als Ansprechpartner*in in diesem Bereich präsenter. Eine weitere Entwicklung ist mit der Verstetigung des gemeinsamen Bahnhofsstreetwork mit dem Suchtzentrum Leipzig SAFE Team Wohnen zu nennen. Sogenannte „Kontaktbrötchen“ im Sinne von kleinen Lunchpaketen vergeben wir in Verbindung mit einem trägerübergreifenden Kurzflyer zu den gemeinsamen Streetworkzeiten. Inzwischen wurde eine regelmäßige und trägerübergreifende Kooperationsdienstberatung mit dem Suchtzentrum SAFE Team Wohnen etabliert.

Schlussendlich bleibt die Aufgabe Verständnis, Hilfsbereitschaft und Akzeptanz für die Menschen deren Geschichten wir alltäglich hören zu vermitteln, den stummen Schicksalen Gehör zu verschaffen und an ein Zitat von Augustinus zu erinnern: Die Stadt besteht nicht nur aus Häusern und Straßen, sondern auch aus Menschen mit ihren Hoffnungen.


1 Buchner-Fuhs, Jutta/ Rose, Lotte (Hrsg.) (2012):Tierische Sozialarbeit. Ein Lesebuch für die Profession zum Leben und Arbeiten mit Tieren. VS Verlag, Wiesbaden.

https://www.mensch-komm-mit.de/projektberichte_bericht_aus_leipzig_2017_de.html