Bericht aus Dresden 2016

Diakonisches Werk – Stadtmission Dresden e.V. - Projektbericht 2016

Das Projekt „Mensch – komm mit!“ beruht im Wesentlichen auf der Förderrichtlinie zum Europäischen Hilfsfonds für die am stärksten benachteiligten Personen (EHAP). Es wird im Zeitraum vom 01.01.2016 bis 31.12.2018 in Kooperation mit dem Sozialamt Dresden durchgeführt. Das Projekt ist der Wohnungsnotfallhilfe des Diakonischen Werkes, Stadtmission Dresden e.V. angegliedert und wird im Einzugsgebiet der Landeshauptstadt Dresden durchgeführt. Zielgruppe sind Personen, die durch Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen sind. Das Projekt ist mit einer 0,85 VZ-Stelle ausgestattet, die durch zwei Mitarbeiter_innen ausgefüllt wird.

Entsprechend der Projektbeschreibung und den Erfahrungen aus dem 1. Projekthalbjahr wurden folgende drei Arbeitsschwerpunkte festgelegt: 1. Aufsuchende Arbeit (fallbezogene Arbeit), 2. Vernetzung und Öffentlichkeitsarbeit (nicht-fallbezogene Arbeit) sowie 3. Treffpunkt- und Ehrenamtsarbeit (fallbezogene sowie nicht-fallbezogene Arbeit)

Im Rahmen der Aufsuchenden Arbeit (Kontaktaufnahme der von Wohnungsnot betroffenen Personen im eigenen Lebensumfeld) konnten im Jahr 2016 139 Kontakte geknüpft werden. In 91 Fällen konnten die Ratsuchenden an weiterführende Hilfen vermittelt werden. Der Frauenanteil lag bei etwa 27 %. Die Kontaktaufnahme erfolgte durch Streetwork, Vermittlung Vermietungen, Behörden oder Dritten sowie durch eine Zusammenarbeit mit einem Dresdner Wohnungslosen-Nachtcafé. Die Unterstützung beschränkte sich auf niederschwellige Beratung, Unterstützung, Begleitung und mündete in eine Vermittlung in weiterführende und verschiedene Unterstützungsformen des regulären Hilfesystems.

Nicht nur um den Bekanntheitsgrad des neuen Projektes zu erhöhen, sondern auch um in regen Fachaustausch mit anderen Akteuren der Dresdner Wohnungsnotfallhilfe zu treten, wurde ein wesentlicher Arbeitsschwerpunkt auf die Öffentlichkeits- und Netzwerkarbeit gelegt. So wurden in der ersten Jahreshälfte 2016 über 70 Vermietungen schriftlich und persönlich kontaktiert. Weiterhin konnte das Projekt u.A. bei einem Vernetzungstreffen der Dresdner Genossenschaften, der Tafelwoche, der Stadtteilrunde Pieschen als auch anderen Akteuren Sozialer Arbeit vorgestellt werden. Weiterhin engagierten sich beide Projektmitarbeiter_innen in dem Gremium Netzwerk Straffälligenhilfe sowie in der AG Wohnungsnotfälle. Mit dem Kooperationspartner, dem örtlichen Sozialhilfeträger, haben insgesamt drei Arbeitstreffen stattgefunden.

Als dritter Arbeitsschwerpunkt ist die Treffpunkt- und Ehrenamtsarbeit zu nennen. Der Tagestreff Schorsch ist an drei Wochentagen mit insgesamt 22 Stunden geöffnet. Im Schorsch sind sieben ehrenamtliche Mitarbeiter_innen beschäftigt, welche selber von Wohnungslosigkeit bedroht oder betroffen waren. Dem Tagestreff sind einige der niederschwelligen Angebote angegliedert, die größtenteils durch die ehrenamtlichen Mitarbeiter_innen verwaltet werden. Die Ehrenamtsarbeit besteht u.A. aus Dienstberatungen, Sprechzeiten, Anleitungen, Beratungen, Präsenzzeiten etc. Im vergangenen Projektjahr wurde noch ein neuer Flyer für den Tagestreff Schorsch entwickelt, welcher besonders auch in der Streetwork eingesetzt wird, eine Statistikerhebung betreffend der Besucherzahlen als auch der Nutzung der niederschwelligen Angebote erhoben und ein neues Raumkonzept für den Schorsch entwickelt.

Nach zwölf Monaten Projektarbeit hat sich bestätigt, dass das Projekt Mensch – Komm mit! mit seiner Geh-Struktur eine wesentliche Ergänzung zum etablierten Unterstützungs- und Hilfesystem darstellt. Besonders die Gestaltung der Erstkontakte in der Lebenswelt der Ratsuchenden bietet große Potentiale, z.B. Niederschwelligkeit, Flexibilität, Klienten-orientierung, frühzeitige Implementierung von Hilfen etc. Dadurch können persönliche Hürden, Ängste oder Einschränkungen der Ratsuchenden abgebaut und Problemlagen frühzeitig erkannt werden. Dies hat enormen und positiven Einfluss auf den anzustoßenden Hilfeprozess. Weiterhin realisiert das Projekt damit den zunehmend in der Stadtpolitik und Fachdiskussion geforderten präventiven Ansatz methodischer Intervention der Wohnungs-notfallhilfe.

Paul Petzold, 26.07.2017


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