Bericht aus Chemnitz 2017

Im Jahr 2017 konnte sich das Projekt „Mensch-komm mit!“ im örtlichen Hilfesystem am Standort Chemnitz weiter etablieren. Dabei lag der Fokus in diesem Jahr auf niedrigschwelligen Kurzberatungen sowie Begleitungen zu verschiedensten Institutionen und Ämtern.

Basierend auf den Erfahrungen aus dem 1. Projektlaufjahr, fußte die Arbeit im Berichtszeitraum 4 Säulen:

  • der fallbezogenen Klientenarbeit,
  • gemeinsame Stadtteil-aktivitäten mit Klienten,
  • der Öffentlichkeitsarbeit
  • sowie Netzwerkarbeit.

Vor allem Letzterem kam im vergangenen Jahr besondere Bedeutung zu.

Hinsichtlich der fallbezogenen Klientenarbeit erfolgte die Ansprache der Klientel meist auf Grundlage von Hinweisen aus dem nahen Umfeld der jeweiligen Personen. Einerseits wurden so Beratungen während der Ansprechzeiten in den Räumlichkeiten der Wohnungslosenhilfe durchgeführt, andererseits wurden Personen aufgesucht und begleitet. Die aufsuchende Arbeit fand hierbei jedoch nur punktuell im öffentlichen Raum statt, sondern verlagerte sich zunehmend hin zum Aufsuchen bei speziellen Einrichtungen und Institutionen.
Auffällig war im Jahr 2017 der hohe Anteil (44 von 140 Personen) beratener Personen mit einer Behinderung. Dabei wurden sowohl körperliche, geistige und seelische Behinderung erfasst, wobei sich bei einem Großteil der Betroffenen eine seelische (psychische) Behinderung feststellen ließ. Hierbei wurde besonders deutlich, dass oftmals eine erste Begleitung zu den entsprechenden Fach-beratungsstelen und Ämtern notwendig war, um anfängliche Schwellenängste abzubauen. Dies zeigt sich ebenfalls daran, dass bis zu einer Vermittlung meist nur 1-2 Beratungseinheiten notwendig waren.
Dennoch gab es auch in diesem Jahr vereinzelt Klienten, die auch nach einer Vermittlung immer wieder die Hilfe im Projekt suchten bzw. initial keine passende Hilfe gefunden werden konnte. Darunter zählte vor allem die Gruppe der chronisch suchtabhängigen, wohnungslosen Menschen sowie Menschen mit Migrationshintergrund aus dem EU-Ausland.
Neben der Klientenarbeit spielten 2017 auch erneut die gezielte Öffentlichkeitsarbeit sowie diverse Aktivitäten in den Stadtteilen eine wichtige Rolle. Vor allem mit dem Umzug der Wohnungslosenhilfe in das Reitbahnviertel, wurde im Projekt versucht sich in diesem Stadtteil durch regelmäßige Teilnahme an Stadtteilrunden und Teilnahme an Stadtteilaktivitäten wie dem Stadtteilfest oder dem Frühjahrsputz besonders zu verankern. Aber auch in anderen Stadtteilen, hier seien besonders Kappel und Sonnenberg erwähnt, wurde, zum Teil gemeinsam mit Klienten, an gemeinwesenorientierten Veranstaltungen teilgenommen.
Im Jahr 2017 hat sich die Kooperation mit dem Sozialamt Chemnitz deutlich intensiviert, so fanden regelmäßige Treffen in einem 6-wöchigen Rhythmus statt. Hierbei wurde sich zum einen über örtliche Arbeitsschwerpunkte ausgetauscht und gemeinsame Strategien zur Erreichung der Zielgruppe entwickelt. Zum anderen wurden im Projekt auftretende Thematiken und Probleme in der Arbeit mit wohnungslosen und von Wohnungslosigkeit bedrohten Personen erörtert und damit in Verbindung stehende Handlungsmöglichkeiten erarbeitet.
Insgesamt zeigte sich im Jahr 2017 erneut, dass weiterhin ein hoher Bedarf an niedrigschwelligen Angeboten für schwer erreichbare Klientel besteht und eine Einbindung dieser in das Hilfesystem durch enge und gute Zusammenarbeit mit Akteuren im Stadtgebiet realisiert werden konnte.

Lisa Hansel- Stadtmission Chemnitz e.V.

https://www.mensch-komm-mit.de/projektberichte_bericht_aus_chemnitz_2017_de.html